• ORT :

    Nordheimer Scheune, Talstraße 31/1, 74226 Nordheim
  • Datum:

    22. Oktober 2022
  • Zeit:

    18 – 20 Uhr

Licht und die bevorzugt genutzten Werkstoffe Glasfaser, Epoxidharz, Linoldruckfarben und Pigmente spielen im Werk von Franziska Sophie Geissler eine zentrale Rolle. Sie gesteht dem narrativen Anspruch ihrer Arbeiten den gleichen Rang zu wie der Materialität und der formalen Gestalt. Und sie fragt, wie sich das erinnerte Bild mit dem künstlerisch gestalteten Bild verbindet. Damit werden ihre Arbeiten zum Ausdruck des Erlebten. Sie können als emotionale und atmosphärische Annäherungen an Personen und Situationen und als Porträts im erweiterten Sinn verstanden werden. Jede ihrer Arbeiten entsteht für sich. Beim Auftragen der bis zu sechs „Malschichten“ auf Trägermaterialien wie Leinwand, Holz und Alu-Dibond  bekommt der Zufall sein Recht. Die durch hell und dunkel und Komplementärkontraste entstehende Tiefenräumlichkeit ist nicht ganz auszurechnen. Die strahlende Farbkraft ihrer Malereien erinnert entfernt an die der Rosette von Notre Dame de Paris und an die der mittelalterlichen Glasmalereien in der Bessererkapelle im Ulmer Münster. Dass Geissler ihrer Ausstellung in der Nordheimer Scheune den Titel ›Signal Light‹ gibt, lässt mutmassen, dass sie mit ihr ein Zeichen setzen will: ›Signal‹ ist über das Lateinische ›signum‹, „Zeichen“ und ›signalis‹, „zeichengebend, bestimmt dazu, ein Zeichen zu sein“ und das Französische ›signal‹ ins Deutsche gekommen.

Licht und Finsternis, Tag und Nacht, Aufgang und Untergang der Sonne bestimmen den Lebensrhythmus von Natur und Mensch und gehen in das Gefühl, die Sprache, das Denken, die Symbole und die Mythen ein. Licht steht in den Religionen für die Seite der Götter, des Geistes, des Heils und der Glückseligkeit. Im alten Ägypten besiegt der Sonnengott Re die Finsternis. Im jüngeren Schöpfungsbericht der hebräischen Bibel ruft Gott das Licht vor der Erschaffung der Erde ins Leben und nach dem Johannesevangelium ist Jesus Christus das Licht der Welt. Buddha gilt als der Erleuchtete. In der Physik wird das Licht als Strahlung, als Welle und als Teilchen beschrieben; im Vakuum erreicht das Licht Lichtgeschwindigkeit. Im Leben der Pflanzen liefert das Licht die Energie für die Fotosynthese. Die Fotorezeptoren des menschlichen Auges können Lichtwellen von Rot bis Violett sehen. Derzeit hofft man. mit dem „James Webb“-Teleskop in die Zeit kurz nach dem Urknall vor rund 13,8 Milliarden Jahren zurückblicken zu können. Welche der angespielten Aspekte des Lichts in Geisslers Werken aufscheinen, liegt in den Augen der Betrachter.

 

Die Ausstellung ist Teil des landesweiten Ausstellungsprojekts „Trüffelsuche“ des Künstlerbunds Baden-Württemberg

 

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