Dass die 1954 im fränkisch geprägten Neuenstadt am Kocher geborene und bis 2024 an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel Bildhauerei lehrende Elisabeth Wagner über ihre eigene Zeit hinausblicken kann, zeigt sich auch daran, dass sie auf dem Burgberg in Backnang in die Grablege der Familie der Markgrafen von Baden in der Stiftskirche hinabgestiegen ist, dort Markgraf Hermann I. aufgesucht, seine Rüstung in Bronze nachgebaut und ihn in vollem Ornat vor dem Stiftshof, dem Evangelischen Dekanatamt und dem Amtsgericht aufgesellt hat. Jetzt blickt er auf den Entwurf des von ihm gegründeten Augustiner-Chorherrenstifts, sinniert darüber nach, was aus dem Stift und Baccananc geworden ist und wie es mit der ehemaligen Gerberstadt im 21. Jahrhundert weitergeht (vergleiche dazu »Die Stiftskirche« unter http://www.kirchbauverein-bk.de/aktuelles.html).

Ihre im Kunstverein Reutlingen gezeigte Maria Luisa und ihr Philip IV. verdanken sich neben ihrem historischen Bezug glasierter Keramik, Upside Down eingefärbtem Beton und Fotodruck auf Metall. Ihre Klunker und ihre Lobster sind aus Pappe und aus Gips geformt. Dazu kommen noch ihre Membrane aus verzinktem  Draht. 

Ihre Skulpturen stehen „meist in einer Beziehung, zueinander, oder zum Raum und zur Ausstellungsarchitektur. Manchmal sind Elemente des Raums integraler Bestandteil“ ihrer Arbeit. Heterogenität kennzeichnet ihr Werk. „Es ist minimalistisch, konzeptuell, und dann wieder narrativ.“

Figuration und Abstraktion, die Verhältnisse von Bild und Abbild, Repräsentation und Präsenz, von Illusion und Materialität greifen in ihren Arbeiten ineinander. „Den Materialien und ihrer sichtbaren Bearbeitung kommen dabei besondere Bedeutung zu: Pappe, Gips, Rupfen, Ton, den Händen vertrauend, scheinbar lässig verarbeitet, oder Beton, Bronze usw. über Negativ gegossen.

Über das Wahrnehmen und Unterscheiden von formalen Aspekten entwickeln sich die Arbeiten, nehmen Gestalt an.“ Die alles verbindende Klammer in ihrem Werk „ist das Zulassen von Ambivalenzen und Illusionen, das Austarieren des Materials, die daraus entstehende Spannung zwischen Leichtigkeit und Schwere“ (Elisabeth Wagner, »Meine Arbeit«, in:  https://www.elisabethwagner.de/index.html).

ham, 1. April 2026

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