Jan 25

Lederer Ragarsdóttir Oei 2

Von Helmut A. Müller | In Archtektur

Bauten und Projekte 2013 –2021

Einführung: Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir und Marc Oei. Vorwort: Amber Saya

jovis Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-86859-706-6, 264 Seiten, 150 s/w Abbildungen, Leinenband mit Banderole, 25 x 30,1 cm, € 48,00

Architekten stehen in Stuttgart in aller Regel vor der Frage, ob sie sich in der Tradition der 1927 vom Deutschen Werkbund unter der Leitung von Mies van der Rohe und führenden Vertretern des Neuen Bauens errichteten Weißenhofsiedlung (vergleiche dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Weißenhofsiedlung) oder wie Rudolf Lempp in der Nachfolge der konservativen Stuttgarter Schule und des Heimatschutzstils sehen (vergleiche dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Lempp). Lempp hat in Stuttgart unter anderem die 1933 von Alfred Daiber erbaute Brenzkirche an den Zeitgeist des Nationalsozialismus angepasst (vergleiche dazu https://www.stuttgart-evangelisch.de/meldungen/zurueck-in-die-zukunft), die Brenz-, die Erlöser- und die Leonhardskirche nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut und 1960 den erhaltenen Rest der Hospitalkirche in seinem Sinn umgebaut (vergleiche dazu https://www.hospitalkirche-stuttgart.de/geschichte/ und http://www.kirchen-online.com/content/k_k-in-stuttgart/hospitalkirche.html).

Das vielfach ausgezeichnete Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei (vergleiche dazu etwa https://www.archlro.de/de/office/profile) ist dagegen schwer der einen oder der anderen Richtung zuzuordnen und verweigert sich auch der Frage, was sich nach 41 Jahren gemeinsamer Arbeit an seiner Architektur geändert hat. Stattdessen insistieren die Architekten mit Leon Battista Alberti darauf, dass Räume, unabhängig davon, ob sie von der Stadt, dem Haus, der Wohnung oder einem Zimmer reden, „dem Nutzen, verbunden mit Vergnügen und Ansehen, zu dienen haben. Vergnügen [»voluptas«] bedeutet mehr als Spaß. Gemeint ist damit kein bloßes flüchtiges Erlebnis. Die Uneindeutigkeit ist sicher der Übersetzung geschuldet. Viel eher meint Alberti, ein schöner Raum möge Freude bereiten, beim ersten Betreten ebenso wie nach vielen Jahren der Nutzung. Das also können wir als das zentrale, erstrebenswerte Ziel unserer Arbeit ansehen“ (Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir, Marc Oei S. 8 f.).

Der jetzt vorgelegte Band ist den vom Büro zwischen 2013 und 2021verantworteten Bauten gewidmet. Er setzt mit dem bischöflichen Ordinariat und dem Diözösanarchiv Rottenburg ein und stellt als letzten Bau das Volkstheater München vor. Es folgen ein Kapitel mit von dem Büro entwickelten Objekten wie den Markisengesimsen, den Wasserspeiern, den Türdrückern, den Klappläden und den Handlaufleuchten, ein Kapitel über die 16 Stationen der von Jórunn Ragnarsdóttir kuratierten Remstalgartenschau 2019 und eine Liste der Projekte von 2021. Von den in Stuttgart realisierten Bauten werden unter anderem der Hospitalhof (vergleiche dazu https://www.hospitalhof.de/ueber-uns/architekturkonzept/), das Stadtpalais und der Erweiterungsbau der Württembergischen Landesbibliothek vorgestellt (vergleiche dazu https://www.wlb-stuttgart.de/die-wlb/wir-ueber-uns/erweiterungsbau/der-erweiterungsbau-der-wuerttembergischen-landesbibliothek-eine-chronik/). Der Link  https://www.archlro.de/de/projects erlaubt einen Blick auf die zwischen 1976 und 2021 realisierten und dem Team wichtige Projekte.

Der herausragend edierte, gestaltete und gedruckte Band ›Lederer  Ragnarsdóttir Oei 2‹ (vergleiche dazu https://www.jovis.de/de/buecher/architekten/product/lro2.html) ist ein Genuss. Bei einer zweiten Auflage sollte aber auf S. 94 auf die Unterzeile „Wettbewerb 2009“ unter der Überschrift „Hospitalkirche Stuttgart“ verzichtet werden: Der für den  Neu- oder Umbau des Verwaltungs- und Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart ausgeschriebene zweistufige Wettbewerb, den das Büro gewann, hatte die Renovierung und den Umbau der Hospitalkirche noch nicht im Blick. 

Mit dem zweiten Band der Werkmonografie  – der erste Band erschien 2012 in erster und 2021 in zweiter Auflage (vergleiche dazu https://www.jovis.de/de/buecher/details/product/lro1.html) – endet die gemeinsame Arbeit von Lederer Ragnarsdóttir Oei: Das Stuttgarter Büro wird von Marc Oei als geschäftsführendem und weiteren Gesellschaftern weitergeführt und heißt jetzt LRO. Arno Lederer und Jórunn Ragnarsdóttir brechen zusammen mit Sölvi Lederer im Büro Lederer Ragnarsdóttir Architekten in der Flatowallee 16, Whg. 304, 14055 Berlin zu neuen Ufern auf (vergleiche dazu https://www.northdata.de/Lederer+Ragnarsdóttir+Architekten+PartG+mbB,+Berlin/Amtsgericht+Charlottenburg+%28Berlin%29+PR+1565+B).

ham, 24. Januar 2022

Kommentare sind geschlossen.

COPYRIGHT © 2020 Helmut A. Müller