Okt. 13

Lars Eidinger, Present perfekt 

Von Helmut A. Müller | In Ausstellung

Fotografien und Videos von Lars Eidinger im Dialog mit Kunstwerken aus der Sammlung der Kunsthalle Tübingen

10. Oktober 2026 bis 28. Februar 2027

Auftritte als Schauspieler ist Lars Eidinger schon seit seiner Karriere als Kinderdarsteller der SFB-Jugendsendung „Moskito“ und in der Theater-AG der Gustav-Heinemann-Oberschule in Berlin-Marienfelde gewohnt. Nach eigener Aussage wollte er immer der Erste, immer der Beste und zugleich auch der Clown sein. Und glücklich war er erst, als er die Lacher auf seiner Seite hatte (vergleiche dazu Lars Eidinger in https://de.wikipedia.org/wiki/Lars_Eidinger). Später kamen parallel zur Theaterkarriere Filmrollen, Engagements als Musiker, als DJ und seit 2019 als Fotograf hinzu (vergleiche dazu Lars Eidinger unter https://de.wikipedia.org/wiki/Lars_Eidinger). 

Bei der Pressekonferenz zu seiner Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen tritt er im schwarzen Oversized-Suit und extrem klobigen Designerschuhen auf; verbal nimmt er sich zurück. Er unterstreicht, dass er sich nicht mit professionellen Künstlern gleichsetzen will. Aber er sagt, dass  er ähnliche Themen wie sie bearbeitet. »Präsent perfekt« ist in einem eineinhalbjährigen Ping-Pong zwischen ihm und der Leiterin der Kunsthalle Tübingen, Nicole Fritz, entstanden (vergleiche dazu https://kunsthalle-tuebingen.de/ausstellungen/lars-eidinger/). Fritz hatte erste Fotografien von ihm in Düsseldorf gesehen, war von ihnen und ihrer Nähe zur Kunst der 1960er und 70er Jahre begeistert und hatte die Idee, sie zusammen mit Arbeiten aus der Sammlung der Kunsthalle Tübingen auszustellen. Christian Jankowski hat ihr dann zu einem Kontakt mit Eidinger verholfen und Eidinger ließ sich nach einigem Hin und Her zu der Ausstellung überreden, als Fritz ihm bedeutet hat, dass sie zu einer seiner Arbeiten ein korrespondierendes Monochrom von Yves Klein zeigen werde.

Zu Eidingers ältesten Arbeiten gehört das Foto vom Hamster seines Bruders, den er als Sechsjähriger in eine Klorolle gesteckt und mit einer kleinen Mittelformatkamera mit Aufsteckblitz fotografiert hat. Die über 200 Werke umfassende Schau spürt dann den Berührungslinien von Eidingers Fotografie und Pionieren der Nachkriegs-Avantgarde nach. Sie ist thematisch nach existenziellen Themen wie Alltag, Erinnerung und Vergessen, Selbsterforschung, Instinkt und Ausdrucksbedürfnis, Raumerkundung sowie Konsum und Technisierung strukturiert. Sie umfasst neben Eidingers Fotografien und Videos Werke von Georg Friedrich Zundel, Yves Klein, Ben Willikens und Sigmar Polke bis hin zu ausgewählten Gegenwartspositionen wie denen von Erwin Wurm, Katja Strunz und Franz Erhard Walther.

Fotografien sind für Eidinger eine Art Selbstbespiegelung, die der Selbstreflexion dient. Das für ihn zentrale Bild ist Hamlet, der den Totenschädel vor sich in der Hand hält und als Narr auf den Narren schaut. Sein Porträt in der Rolle des Hamlet stammt von Jürgen Teller. Letztlich sind alle Bilder für ihn Selbstporträts und das Ziel in der Ausstellung ist es, dass sich die Betrachter in den Bildern wiedererkennen. Ob die Besucher der Eröffnung die Bilder dann auch tatsächlich gesehen haben, muss offen bleiben. Die Kunsthalle war so voll, dass eher ihre Gegenüber, Hinter- und Nebenleute als die Bilder zu sehen waren (vergleiche dazu https://www.swp.de/lokales/tuebingen/kultur-tuebingen/lars-eidinger-in-tuebingen-riesenandrang-bei-der-vernissage-in-der-kunsthalle-79554555.html). Aber zum Glück gibt es ja bis zum letzten Ausstellungstag am 28. Februar 2027 noch reichlich Gelegenheit zu einem zweiten und dritten Besuch.

ham, 13. Oktober 2026

Kommentare sind geschlossen.

COPYRIGHT © 2023 Helmut A. Müller