Jubiläumsausstellung 25 Jahre Museum Sammlung Prinzhorn bis 31. Januar 2027

Paul Gösch (1885–1940), Sitzender Derwisch, 1921, Gouache auf Papier.
Die Sammlung Prinzhorn vereint Kunst, die Menschen mit psychischen Ausnahme-Erfahrungen in psychiatrischen Anstalten im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus geschaffen haben. Sie umfasst heute rund 40 000 Werke. Die Jubiläumsausstellung präsentiert zentrale Werke der Sammlung in neuer Form. Dazu gehört beispielsweise die nur fotografisch überlieferte, lebensgroße Puppe von Katharina Detzel (1872–1960), die für die Ausstellung detailgetreu rekonstruiert wurde. Besucher*innen können so erstmals ihre räumliche Wirkung erleben – ein Objekt zwischen Schutzfunktion und möglicher erotischer Projektion.
Auch die von Else Blankenhorn (1878–1920) gefertigten Geldscheine, mit denen sie die Auferstehung verstorbener Liebespaare finanzieren wollte, werden neu erfahrbar: Sie wurden nachgedruckt und können im Ausstellungsraum betrachtet, in die Hand genommen und schließlich gegen Euro „eingetauscht“ werden.
Ein besonderer Höhepunkt ist der jüngste Neuzugang der Sammlung: das von Emma Mohr (1833–?) aus Leinenresten genähte und mit Stickereien versehene „Staatsalbum“-Textil. Es zeigt über 50 Bildfelder – von biblischen Szenen bis hin zu Darstellungen Kaiser Wilhelm I. und einem Selbstporträt der Stickerin im Zentrum. Die Rückseite zeigt gestickte Briefe an Kaiser und Staatsminister. In der Ausstellung ist das Werk von beiden Seiten sichtbar; ein Touchscreen erschließt zusätzlich Details dieses rätselhaften Werkes.
ham, 13. Juli 2026