Im Zentrum der Ausstellung der 1996 in London geborenen Künstlerin, Dichterin und Autorin Rhea Dillon stehen Skulpturen, in denen das Motiv des Spatens durch eine Abfolge subtiler gestischer Ölfarbstiftformen untersucht wird, die in einen Dialog mit hölzernen Rahmenkonstruktionen treten. Dem Spaten ist im Kontext des britischen Kolonialismus eine gewaltbezogene symbolische Last eingeschrieben: Der Begriff wurde als herabwürdigende Bezeichnung für schwarze Menschen eingesetzt, insbesondere gegenüber Angehörigen der Windrush-Generation und deren Nachkommen. Seine bis heute andauernde Zirkulation verweist auf das Fortbestehen kolonial- rassistischer Strukturen. Indem Dillon sich das Motiv künstlerisch immer wieder neu angeeignet, verleiht sie jedem einzelnen Spaten eine eigene ästhetische Identität und Würde. So verwandelt sie ein mit Verletzung und Bedrohung bewertetes Symbol in eines des Widerstands – der Spaten wird als Schild umgedeutet (vergleiche dazu und zum Folgenden Søren Grammel, Rhea Dillon, Gestural Poethics, Heidelberger Kunstverein 2025).
Die Zeichnungen sind in Hartholzkästen aus Sapeli-Mahagoni präsentiert, das zum Bau von Transportschiffen zur Verschleppung versklavter AfrikanerInnen verwendet worden ist.
In ihren Gedichten und poetischen Arbeiten setzt Dylan Verfahren der Verschlüsselung ein, so etwa durch das gezielte Auslassen einzelner Textpassagen. Das an einer Wand der Ausstellung präsentierte Gedicht steht für diese Praxis. Um es in seiner Gänze zu erfassen, muss der Wandtext durch die Titel der Skulpturen gedanklich ergänzt werden.
»Gestural Poethics« ist Rhea Dillons erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland. Die Künstlerin ist eine Nachfahrin der Windrush-Generation, also jener Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Karibik nach Großbritannien migrierten. Viele von ihnen leiden bis heute unter staatlicher Diskriminierung.
ham, 25. August 2025